Oswald-Hesse-Str. 74
70469 Stuttgart

 

St. Josef steht an der Oswald-Hesse-Straße, der Namensgeber dieser Straße war Feuerbacher Ehrenbürger und Hofrat, Chemiker und Direktor der Firma Friedrich Jobst, der ersten industriellen Fabrik in Feuerbach. Bis 1938 hieß die Straße Pragstraße.

Im Jahre 1895 wurde der vom Regierungsbaumeister Pohlhammer errichtete Bau der ers­ten katholi­schen Kirche eingeweiht. Die wegen ihrer geringen Größe das Ora­torium (also eine Haus­kapelle) genannte Kirche diente zur Seelsor­ge sowohl für die aus vielen zugezogenen Katholiken vergrößerte Gemeinde in Feuerbach, wo es im Jahre 1902 be­reits 252 Katholiken gab, als auch bis 1902 für die katholische Ge­mein­de in Zuffen­hausen. Begonnen als Expositurvikariat und seit 15. April 1898  als Pfarrverweserei wurde die katholische Gemeinde erst 1912 als ordent­liche Stadt­pfarrei erhoben. Im Jahre 1933 wird die Stadtpfarrei dem Stadtdekanat Stuttgart zugeteilt, vorher gehörte sie zu Neuhausen a.F. Bedingt durch das Wachstum der Kirchengemeinde, im Jahre 1930 gab es bereits 2300 Katholiken in Feuerbach, reichte das Oratorium für die Seelsorge nicht mehr aus, und so wurde beschlossen, eine größere Kirche vom Architekten Herkommer bauen zu lassen. Der erste Spatenstich für die neue Kirche St. Josef war am 10. September 1933, die Grundsteinlegungsfeier folgt am 17. November 1933, und die Glockenweihe fand bereits am 20. November 1934 statt.

Durch den Zweiten Weltkrieg wurde auch die katholische Kirche in Mitleidenschaft gezogen. So zog am 16.Januar 1943 die Wehrmacht die zwei Glöcklein des Oratoriums ein, und am 16. Juli 1944 zerstört eine Sprengbombe die alte Kirche, und auch das Pfarrhaus wird stark beschädigt. Bei einem Luftangriff am 21. September 1944 fielen außerdem die katholische Schule und das Schwesternheim zum Opfer. Die inzwischen 10 Jahre alte Kirche St. Josef blieb unbehelligt.

In späteren Jahren wurden an die Kirche umfangreiche Sanierungen vorgenommen.

Die Kirche St. Josef ist mit Werken moderner Künstler reichhaltig ausgestattet.

 

Die abstrakten sakralen Kirchenfester von St. Josef

Mit der letzten großen Kirchenrenovierung 1965 wurden auch die Kirchenfenster erneuert, die der Kunstmaler Kiess aus Trossinger entworfen hat. Die Gruppe „Zeitlupe“, die regelmäßig Gottesdienste in der Gemeinde gestaltet, hat während einer Messfeier eine Meditation über die Kirchenfenster gehalten. Der Bilderkreis beginnt am ersten Fenster bei der Marienstatue.

Fenster 1:         Erschaffung der Welt

Gen 1 3-5         Da sprach Gott: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht. Gott sah, dass das Licht gut war und Gott schied zwischen dem Licht und der Finsternis. Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es ward Abend und es ward Morgen: erster Tag.

Schon ahnt man, wie aus den Urnebeln die Sonne aufsteigt und zu kreisen beginnt. Erkennbar ist die Erde im mittleren Ring, Hell und Dunkel trennen sich. Der äußere Kreis lässt weitere Sonnenstrahlen und eine helle Korona erkennen. Das Licht erleuchtet den blauen Himmel über der Erde. Das Wort erschafft die Welt und damit beginnt der Glaubens- und auch Bilderzyklus ausgehend von diesem positiven, friedlichen Moment mit einer spürbaren Lebensfreude, einfach göttlich!

Fenster 2:         Sündenfall

Gen 3 22-24      Gott sagt: „Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns. So dass er Gutes und Böses erkennt. Dass er nun aber nicht seine Hand ausstrecke und auch von dem Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe!“  Darum entferne ihn Gott aus dem Garten Eden, damit er den Erdboden bebaue, von dem er genommen ist. Und als er den Menschen vertrieben hatte, stellte er östlich von dem Garten Eden die Kerube auf und das zuckende Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachen.

Das Bild ist in angenehmen Farben gehalten, die an fruchtbare Landschaften und Wälder erinnern – wir blicken zurück auf das Paradies. In der Mitte leuchtet hell der Eingang zum Paradies, der aber nun nach dem Sündenfall den Menschen durch das rote Flammenschwert verschlossen ist, bis uns die Erlösung durch den Retter Jesus angeboten wird. Der Weg zum Baum des Lebens ist durch den wachenden Engel versperrt.

Fenster 3:         Maria Verkündigung

Luk 1 38           Maria aber sprach: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ Und der Engel schied von ihr.

Nach dem Sündenfall warten die Menschen auf Rettung. Das Bild zeigt im unteren Teil ein Zimmer, in dem der Engel Maria die Geburt Jesu ankündigt. Die hellblauen Lichtstreifen von oben unterstützen die von Gott beauftragte Verkündigung. Die Rettung ist in Sicht.

Fenster 4:         Dornenkrone

Mat 27 27-31     Darauf nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus in das Prätorium (Sitz des Oberbefehlshabers) mit und versammelten die ganze Kohorte um ihn. Dann zogen sie ihn aus, legten ihm einen scharlachroten Mantel um, flochten eine Krone aus Dornen, setzten sie ihm auf das Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine Rechte. Und die Knie vor ihm beugend, verspotteten sie ihn und sagten: „Heil dir, König der Juden!“ Und sie spieen ihn an, nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt. Und nachdem sie ihn verspottet hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine Kleider an, und führten ihn ab zur Kreuzigung.

Das Dunkel am Rand des Fensters kündet das Leiden und Sterben Jesu an. Die Dornenkrone als Sinnbild. Doch die Helligkeit und Farben in der Mitte zeigen uns schon jetzt die Allmächtigkeit Jesu und geben Hoffnung für die Zukunft. Christus stirbt für uns am Kreuz.

Fenster 5:         Ostermorgen

Luk 24 1-8        Am ersten Tag der Woche aber kamen sie im ersten Morgengrauen zum Grabe und brachten den Balsam, den sie bereitet hatten. Da fanden sie den Stein vom Grabe weggewälzt und gingen hinein, fanden aber den Leib des Herrn Jesus nicht mehr. Da geschah es, während sie noch darüber ratlos waren, siehe, da traten zwei Männer in strahlendem Gewande zu ihnen. Sie aber erschraken und senkten den Blick zu Boden. Jene sprachen zu ihnen: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten. Er ist nicht hier, sondern er ist auferweckt worden“.

Das Grab bricht auf, Jesus ist auferstanden. Das Dunkel des Todes ist besiegt. Die erste leise Hoffnung wird durch den hellen Bruch dargestellt. Aber es bleibt weiterhin eine Unsicherheit: Wo ist Jesus? Die Prophezeiung gibt Hoffnung.

Fenster 6:         Pfingstgeist

Apg 2 1-15       Als der Pfingsttag angebrochen war, waren alle an einem Ort beisammen. Da entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie von einem daher fahrenden gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und es ließ sich auf jeden von ihnen nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen mit anderen Zungen zu reden, wie der Geist ihnen zu sprechen verlieh.

Übersetzt heißt Pfingsten „der fünfzigste Tag“ und bedeutet, seit Pessach, dem Opferfest, das an den Auszug des jüdischen Volkes aus der ägyptischen Knechtschaft und damit die besondere Erwählung des jüdischen Volkes durch Gott erinnert, waren 50 Tage vergangen.

Im jüdischen Festkalender steht der Pfingstfeiertag (Schawout) als Erinnerung an die Offenbarung der Tora, also die Übergabe der zehn Gebote von Gott an Moses und er ist gleichzeitig ein Erntedanktag zum Abschluss der Weizenernte. (Þ Man beachte die Nähe zum Tabernakel, dem Aufbewahrungsort der geweihten Hostien, die nur aus mit Wasser angerührtem Weizenmehl hergestellt werden).

Jesus war vor 50 Tagen hingerichtet worden. Am Ostermorgen fanden seine Freunde und Wegbegleiter das leere Grab. Unter dem Schock dieser beiden unfassbaren Ereignisse standen die Jünger da, nicht wissend, wie es mit ihnen weitergehen sollte. Das Geschehen an Pfingsten gilt als die Geburtsstunde der Kirche (griech: kyriakon), was übersetzt bedeutet: Versammlung des Herrn, oder: dem Herrn gehörig. Alle, die sich in Gottes Namen versammeln, sind somit Kirche. Mit Pfingsten beginnt Kirche zu wirken. Die mosaischen Gesetzestafeln waren die alte göttliche Ordnung des auserwählten Volkes; durch Jesus wurden Gottes Gebote ein Geschenk an alle Menschen, die guten Willens sind und an ihn glauben.

Fenster 7:         Zeichen des Menschensohnes am Himmel

Mat 24  30-31 Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen. Und dann werden alle Völker der Erde wehklagen, und sie werden den Menschensohn sehen mit großer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit lautem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden her, vom einen Ende des Himmels bis zum andern.

Das siebente und letzte Fenster hebt sich in zweifacher Weise von den anderen besprochenen ab. Es ist ohne direktes Gegenüber, zeigt sich sozusagen als Solitär. Und es besteht nur aus einem einfachen Fenster ohne die Fünfergliederung der anderen, ist quasi unvollständig. Wo sind die anderen vier abgeblieben? Weist ihr Fehlen sozusagen auf das Künftige, das Neue hin, das erst noch entstehen muss?

Die Abstraktion lässt eine Posaune vermuten, mit der der Menschensohn angekündigt wird. Die Zahl Sieben ist vielfältig besetzt und benutzt und wurde in allen großen Kulturen und in allen Religionen verwendet. Im jüdisch-christlichen Kontext steht sie beispielsweise bereits in der Schöpfungsgeschichte, in der Gott an sechs Tagen Himmel, Erde und den Menschen geschaffen hat, am siebenten Tag sein Werk betrachtete und den Tag heiligte. Oder in den sieben Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe, Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung) sowie den sieben Lastern (Stolz, Geiz, Wollust, Neid, Völlerei, Zorn und Trägheit).  Auch die berühmten sieben letzten Worte von Jesus seien aufgezählt.

In der Offenbarung des Johannes wird in visionären Bildern beschrieben: Nachdem das letzte, siebente Siegel geöffnet ist tritt eine Stille ein und wenn am Ende die siebente Posaune erklingt, werden die Toten auferweckt und gerichtet und der Tempel Gottes im Himmel tut sich auf und die Lade seines Bundes wird sichtbar.

Wir Christen gehen davon aus, dass das irdische Leben unvollständig, beklagenswert ist. Nur im Himmel, das heißt in der Geborgenheit Gottes, dem eigentlichen Ziel unseres Weges, herrscht die Vollkommenheit, die wir uns wünschen. Die Sieben steht symbolisch für die Unendlichkeit und damit für Gott. Im vorletzten biblischen Kapitel steht zum künftigen himmlische Jerusalem: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen…

Für uns – die wir an Jesus Christus und seine Botschaft glauben – gibt es kein stärkeres Bild, als das der Tischgemeinschaft, an der alle Menschen teilnehmen. Die Posaune im Bild ruft uns an diesen Tisch des Herrn im neuen Jerusalem.