Fast mit jedem Herzschlag wird mir klarer, dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen und dass wir die Bleibe in uns, in der du wohnst, bis zum Ende verteidigen müssen. Es gibt Menschen, das ist wirklich wahr, die noch im letzten Moment Staubsauger in Sicherheit bringen und Silbergabeln und Silberlöffel statt dich, mein Gott. Und es gibt Menschen, die ihren Körper in Sicherheit bringen wollen, der aber nur noch ein Gehäuse für tausend Ängste und Verbitterungen ist. Und sie sagen: mich werden sie nicht in ihre Fänge bekommen. Und sie vergessen, dass man in niemandes Fänngen ist, wenn man in deinen Armen liegt. EH,149
Etty Hillesum (1914–1943) – Hoffnung in dunkler Zeit
Etty Hillesum war eine junge jüdische Frau aus den Niederlanden. Sie wurde 1914 geboren und lebte in Amsterdam. Während der Zeit des Nationalsozialismus begann sie, Tagebuch zu schreiben. Darin hielt sie ihre Gedanken, Zweifel, Ängste und ihre wachsende Suche nach Gott fest.
Obwohl die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung immer schlimmer wurde, verlor Etty ihren Glauben an das Gute im Menschen nicht. Sie war überzeugt, dass Hass nicht mit Hass beantwortet werden darf. Stattdessen wollte sie Liebe, Mitgefühl und Menschlichkeit bewahren – selbst unter den schlimmsten Bedingungen.
1943 wurde Etty Hillesum in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Sie wurde nur 29 Jahre alt.
Ihre Tagebücher und Briefe gehören heute zu den bewegendsten Zeugnissen des 20. Jahrhunderts. Sie zeigen, wie ein Mensch selbst in Leid und Hoffnungslosigkeit inneren Frieden, Vertrauen und die Nähe Gottes finden kann.
Wer Etty Hillesum liest, begegnet einer Frau, deren Worte auch heute noch berühren. Sie lädt uns ein, über unseren Glauben, unsere Verantwortung füreinander und die Kraft der Hoffnung nachzudenken. Ihre Texte machen Mut, selbst in schwierigen Zeiten den Blick für das Gute und die Würde jedes Menschen nicht zu verlieren.

