Bis 2029 trennt sich die Katholische Kirche in Stuttgart von 13 Kindertagesstätten

Kitas St. Monika und St. Theresia sind dabei – Konsolidierung betrifft alle Bereiche

Weniger Mitglieder sowie schwierige finanzielle und demografische Rahmenbedingungen: Die Katholische Kirche in Stuttgart hat einen umfassenden Konsolidierungsprozess angestoßen, der auch den Kita-Bereich einschließt. Der Stadtdekanatsrat hat am 20. Oktober 2026 beschlossen, dass sich die Katholische Kirche Stuttgart in den kommenden drei Jahren von 13 Kindertagesstätten trennen wird. Darunter sind zwei Einrichtungen aus der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Nordwest: St. Monika in Feuerbach und St. Theresia in Weilimdorf, die beide Ende August 2029 geschlossen werden. Allen Kindern, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht in die Schule gewechselt sind, werden alternative Plätze in anderen katholischen Einrichtungen angeboten, so dass keine Familie ohne Kita-Platz sein wird. Auch für die Mitarbeitenden wird Sorge getragen. Ziel ist es, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine adäquate Weiterbeschäftigung anzubieten.

Hintergrund der schwierigen Entscheidung sind die anhaltend hohen Austrittszahlen, die demografische Entwicklung, die verschlechterte städtische Förderung und damit verbunden die deutlich geringeren finanziellen Ressourcen, aber auch der geringer werdende Bedarf an Betreuungsplätzen. „Wir haben diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Kindertageseinrichtungen sind und bleiben ein wesentlicher Teil unseres kirchlichen und gesellschaftlichen Engagements als Katholische Kirche in Stuttgart. Gleichzeitig müssen wir heute verantwortlich handeln, damit wir dieses wichtige Engagement auch in Zukunft verlässlich fortführen können“, sagt Stuttgarts Stadtdekan Christian Hermes.

Verlässlicher Übergang für Familien und für die Mitarbeitenden
Für die betroffenen Kinder, Familien und Mitarbeitenden soll der Übergang so verlässlich wie möglich gestaltet werden. Familien, deren Kinder zum Zeitpunkt der Schließung noch nicht in die Schule wechseln, werden alternative Plätze in katholischen Kindertageseinrichtungen angeboten. Die Familien werden die Möglichkeit haben, in diesen Einrichtungen zu hospitieren und eine Wunsch-Kita zu benennen. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden die Möglichkeit haben, in andere katholische Kitas in Stuttgart zu wechseln. „Wir werden die Zeit nutzen, um mit allen gut ins Gespräch zu gehen und eine adäquate Weiterbeschäftigung zu finden“, sagt Susanne Golla, die Leiterin der Abteilung Kinder und Familien. Durch die schrittweise Umsetzung in den nächsten drei Jahren bleibe ausreichend Zeit, um individuelle Lösungen zu entwickeln. „Unser Ziel ist es, für die Mitarbeitenden weiterhin ein verlässlicher Arbeitgeber und für die Familien weiterhin ein guter Partner in der Kinderbetreuung zu sein“, so Golla weiter.

Schließungen erfolgen mit zeitlichem Vorlauf
Von der Schließung betroffen sind neben den Kitas St. Theresia und St. Monika: Das Kinder- und Familienzentrum Pfiffikus in Botnang, das zum 31. August 2027 geschlossen wird; die  Stäffelesflitzer und die Johannesbären in Untertürkheim, die Kita Abraxas im Stuttgarter Westen, die Kita Bruder Klaus in Stuttgart-Ost, die Pusteblume in Sillenbuch, die Kita Zur Heiligen Dreifaltigkeit in Zuffenhausen, das Kifaz Im Seelberg in Bad Cannstatt und die Kita St. Ottilia in Münster (Schließung Ende August 2028). Ende August 2029 aufgegeben werden die Kitas Heilige Familie in Dürrlewang sowie das Kinder- und Familienzentrum St. Franziskus in Stuttgart-Nord. Die Katholische Kirche ist im Gespräch mit der Landeshauptstadt Stuttgart, um zu klären, ob diese einzelne oder alle betroffenen Einrichtungen in ihre Trägerschaft übernimmt.

Kirche bleibt drittgrößter Träger im Kita-Bereich in Stuttgart
Trotz der Aufgabe von 13 Kindertagesstätten zieht sich die Katholische Kirche keineswegs aus der frühkindlichen Bildung zurück. Mit 41 Einrichtungen ist sie auch künftig der drittgrößte Träger von Kindertageseinrichtungen in Stuttgart. Auch in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Nordwest bleibt die katholische Kirche mit drei Einrichtungen präsent: mit der Kita St. Josef in Feuerbach, dem Kinderhaus Salvator in Bergheim und der Kita Salvator in Giebel. Katholische Kitas und Kifaze sollen weiterhin Orte sein, an denen Kinder und Familien verlässlich begleitet werden und christliche Werte im Alltag erfahrbar sind.

Nicht nur Kitas betroffen: Konsolidierung umfasst alle Bereiche kirchlichen Lebens
Der Entscheidung für die Schließung der Kindertagesstätten ist ein umfassender Bewertungsprozess vorausgegangen. Alle katholischen Kitas wurden anhand eines einheitlichen Kriterienkatalogs geprüft. Berücksichtigt wurden unter anderem der bauliche Zustand, die Auslastung, die Nachfrage nach Betreuungsplätzen im jeweiligen Stadtteil, die Personalsituation sowie die Betriebskosten und der Investitionsbedarf.

Kirchengemeinden reduzieren Gebäudebestand um 30 Prozent
Die Konsolidierung des Kita-Bereichs ist Teil eines umfassenden Veränderungsprozesses der Katholischen Kirche in Stuttgart. Auch Kirchengemeinden, die Verwaltung und kirchliche Einrichtungen müssen ihre Strukturen und Ausgaben an die veränderten finanziellen Möglichkeiten anpassen. So müssen die Kirchengemeinden ihren Gebäudebestand in den nächsten Jahren um mindestens 30 Prozent reduzieren. „Die Herausforderungen für die Kirche sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Deshalb ist es wichtig, mit den eingeschränkten Mitteln und Ressourcen umsichtig und verantwortungsvoll umzugehen. Noch können wir gestalten und gegensteuern, deshalb ist unser Leitwort ‚Kirche gestalten. Zukunft sichern‘“, sagt Stadtdekan Christian Hermes.

Veränderte Förderbedingungen verstärken Situation
Verschärft wird die Situation im Kita-Bereich durch die veränderten Förderbedingungen der Landeshauptstadt Stuttgart, die wie alle Kommunen ebenfalls vor großen finanziellen Herausforderungen steht und deshalb die Förderung der freien Träger zurückgefahren hat. Einen Teil der dadurch entstandenen Mehrbelastung musste die katholische Kirche bereits über höhere Elternbeiträge auffangen. „Die Stadt hat ihre Förderquote um 2,5 Prozent reduziert, dadurch hat sich unser Eigenanteil für Personal- und Sachkosten in den Kitas verdoppelt. Nur kleine Veränderungen bei der Stadt haben enorme Auswirkungen auf unseren Haushalt und bergen große finanzielle Risiken letztlich auch für die Kirchengemeinden, die dann einen noch höheren Konsolidierungsbeitrag erbringen müssten“, sagt Stadtdekan Christian Hermes. Angesichts der Haushaltssituation der Stadt Stuttgart seien weitere Kürzungen durch die Stadt keineswegs auszuschließen. „Da wir als katholische Kirche unser Kita-Engagement auch in Zukunft beibehalten möchten, müssen wir jetzt konsolidieren“, so Hermes.