Reisenotizen – Ein Resümee

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Sie ist vorbei – die Reise. Was bleibt ist die Erinnerung.

Die “Reisenotizen – Von der Kunst, das Leben zu bestehen“ war eine Reise, veranstaltet von  der „Kirchenmusik St. Josef“, in verschiedene Genres. Sie streifte den Film, die Literatur, die Musik und die Liturgie. Es war aber auch eine Reise ins Innere, ins Eigentliche, ins Wesentliche.

„Libera me“ – mit diesen Worten aus der „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi ging der letzte Teil der Reise Ende März zu Ende. „Libera me“ – die wörtliche Übersetzung mit „Befreie mich“ entspricht nicht mehr unserem augenblicklichen Sprachgefühl. „Versöhne mich“ – mit dieser Übertragung lässt sich die Aussage, mit der Verdi sein Requiem beendet, in unseren Alltag einbinden. Die Musik Verdis, in die diese beiden Worte eingebettet sind, bekommt dadurch einen sehr konkreten Inhalt, eine präzise Aussage. Die Pauke erklingt in einem Tremolo sehr leise und scheinbar unerschütterlich, der Chor singt fast flüsternd sehr leise wie aus einem Munde das „Libera me“ und das Orchester bestätigt diese Aussage mit einem sanften, leisen und doch vollen und tiefen Klang, mit einer zuversichtlichen Durterz in der Oberstimme. Die Pauke – nicht endend wollend – bebt weiter, der Chor wiederholt diese Worte, jetzt noch verhaltender, fast beschwörend und das Orchester bestätigt diese Aussage gelassen und souverän mit dem gleichen, zuversichtlichen Akkord. Es ist geschafft.

Begonnen hat die Reise im vergangenen Oktober mit einem denkwürdigen Abend mit dem „ensemble meandro“. Tango vom Feinsten wurde geboten. Es ging um Liebe, um Leidenschaft, um ureigene menschliche Gefühle und Empfindungen. Die zweite Station führte ins ferne Japan zu einer Firma, die sich auf die Aufbahrung Verstorbener spezialisiert hat. Mit viel Humor und großer Leichtigkeit inszenierte Yojiro Takita den Film „Nokan – Die Kunst des Ausklangs“, in der der Hauptdarsteller, der Cellist Daigo Kobayashi, in der Musik immer wieder Halt und Zuversicht findet und in der er Mithilfe geheimnisvoller „Briefsteine“ sich am Ende doch noch mit seinem Vater versöhnen kann. Versöhnung war auch ein zentrales Motiv in dem von Dominik Eisele vorgetragenen Roman „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt, in dem es dem todkranken Oskar doch noch gelungen ist, sich mit seinen Eltern zu versöhnen, da er verstanden hat, dass die Situation, in der er sich befindet auch für seine Eltern, die ja im Moment im Begriff sind, ihr Kind verlieren, unerträglich ist. Wie geht man als Eltern mit dieser Situation um? Wie verhält man sich gegenüber seinem sich im Sterben befindenden Kind? Der Autor Eric-Emmanuel Schmitt erzählt mit viel Humor diese Geschichte und es ist Oskar selbst, der die scheinbar ausweglose Situation zwischen ihm und seinen Eltern auf einfache Weise löst. In einem sich direkt im Anschluss an die Lesung angebotenen Gespräch lösten Sabine Gänsbauer vom Kinderhospiz Stuttgart und Pfarrer Matthias Hambücher die Fragen, Spannungen und Unsicherheiten, die sich beim Hörer aufgebaut hatten.

Dazwischen gedachte der „Chor von St. Josef“ in einem Gedenkgottesdienst zum Fest Allerseelen den Verstorbenen der Gemeinde.

„Aufbruch“ hieß es dann zu Beginn der Fastenzeit. Unter dem Titel „Vom Klang der Natur – von der Natur der Klänge“ führten zarte Klänge der Gitarre und empfindsame melodische Linien der Flöte in den letzten Teil der Reisenotizen ein. Nach einem Lauschen in die Natur und einem Aufzeichnen, wie der Mensch sich diese Klangvielfalt zu eigen gemacht hat, führte der anschließende Gottesdienst „…ins Weite“.

Der Aufführung der „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi durch die beiden Chöre von St. Josef und St. Laurentius wurde ein reflektierender Abend vorangestellt. „Vom Unsagbaren in der Musik“ war er überschrieben und versuchte in Worte zu fassen, was für Räume Verdi in seinem Requiem zwischen den Noten und Klängen zu eröffnen fähig ist. Gerade in diesen leisen, verklingenden Passagen, die zum Lauschen anregen, zeigt er seine große Fähigkeit, Menschen mit seiner Musik zu berühren. Trotz aller Wucht, die diesem Werk inne ist, sind es die leisen Töne, die Pausen, die verklingenden Klänge, die das Herz jeden Hörers berühren. Dieses Werk zeigt eindrücklich sowohl allen Ausführenden, die sich über ein halbes Jahr intensiv mit diesem Werk beschäftigt haben, und sich damit auch auf eine eigene Reise begeben haben, als auch allen Hörern, die das Ergebnis dieser Reise erleben durften, dass jeder Moment kostbar ist, dass jeder Moment unwiederholbar und damit einzigartig ist, und dass jeder Augenblick ein einmaliges Ereignis ist.

Nun ist sie vorbei – die Reise. Sie existiert nur noch in Erinnerungen, die mit der Zeit verblassen werden. Übrig bleiben eine Fülle von Erlebnissen und Begebenheiten, von neuen Bekanntschaften, von Vorhersehbarem und Unerwartetem und von der Gewissheit, etwas in dieser Form Einmaliges erlebt zu haben.

Ich möchte mich bei allen, die diese Reise mitorganisiert, sie mitgestaltet und sie begleitet haben, sei es abschnittsweise oder in ihrer ganzen Länge, recht herzlich bedanken. Ich möchte mich bedanken für die Offenheit, die mir widerfahren ist, die Wachheit, die mir bei den einzelnen Stationen entgegen gebracht wurde und für das unvoreingenommene Entgegen- und Zuvorkommen. Es war für mich eine sehr angenehme und erfüllte Zeit.

Vielen herzlichen Dank.

Ihr
Detlef Dörner

 

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Rubrik Kirchenmusik St. Josef

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