Ende des letzten Jahres verstarb mit 89 Jahren unsere letzte Tante. Letzte Woche war die Bestattung in ihrer Heimatstadt. Eine Beerdigung ist immer ein trauriger Anlaß zurückzuschauen, aber auch – Memento mori – in die eigene Zukunft zu blicken. Tod berührt uns alle – manchmal plötzlich, manchmal nach langer Begleitung.
In solchen Stunden mischt sich Trauer mit Fragen: Was bleibt? Gibt es wirklich ein Leben nach dem Tod? Die christliche Hoffnung antwortet nicht mit Beweisen, sondern mit Vertrauen in den Gott, der uns trägt – auch durch den Tod hindurch.
Bei aller Trauer war uns eine Erzählung des katholischen Pastoralreferenten ein Trost, den wir teilen möchten.
Eine Geschichte, die Hoffnung weckt
Eine alte Weisheitsgeschichte bringt diese Hoffnung anschaulich auf den Punkt. Zwei ungeborene Zwillinge unterhalten sich im Mutterleib:
Es waren einmal zwei ungeborene Zwillinge, die sich im Bauch ihrer Mutter unterhielten.
Der eine fragte den anderen: „Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“
Der andere antwortete: „Ja, natürlich. Hier werden wir vorbereitet. Hier wachsen wir, damit wir draußen leben können.“
„Das ist doch Unsinn“, sagt der erste. „Es gibt kein Leben nach der Geburt. Wie soll das denn aussehen? Und überhaupt: Wir haben doch unsere Nabelschnur, sie versorgt uns mit allem, was wir brauchen. Die ist viel zu kurz – ein Leben danach ist ausgeschlossen.“
Der zweite denkt einen Moment nach und sagt dann: „Ich glaube trotzdem, dass es ein Leben nach der Geburt gibt. Vielleicht wird es heller sein als hier, vielleicht können wir uns frei bewegen, mit den Füßen laufen und mit dem Mund essen.“
„Laufen? Essen mit dem Mund? Das ist doch verrückt“, antwortet der erste. „So etwas hat noch niemand gesehen. Und es ist noch keiner zurückgekommen, der von einem Leben nach der Geburt erzählt hat. Mit der Geburt ist alles aus.“
Der andere Zwilling hält dagegen: „Ich weiß nicht genau, wie es sein wird. Aber ich glaube, wir werden unsere Mutter sehen. Und sie wird für uns sorgen.“
„Mutter?“, fragt der erste. „Du glaubst an eine Mutter? Wo soll die denn sein?“
Der zweite sagt leise: „Sie ist überall um uns herum. In ihr leben wir, durch sie leben wir. Ohne sie könnten wir gar nicht sein. Manchmal, wenn es ganz still ist, spürst du sie vielleicht – wenn sie unsere kleine Welt berührt. Oder du hörst sie singen, ganz leise.“
Der erste Zwilling bleibt skeptisch. Und doch lässt ihn diese Vorstellung nicht mehr los.
Diese Bilder erinnern uns: Unser irdisches Leben ist nur ein Teil. Wie die Zwillinge ahnen wir das „Danach“ nur schemenhaft.
Christliche Hoffnung im Trauern
Der Tod ist kein Ende, sondern Übergang – eine Geburt in Gottes Fülle. Jesus verspricht: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.“ Dort sind unsere Verstorbenen geborgen, erwartet und geliebt. Unsere Liebe zu ihnen hört nicht auf; sie findet bei Gott ihre Vollendung.
Die Geschichte lädt uns ein, still zu werden und zu spüren: Gott ist da, unsichtbar wie die Mutter, doch tragend und nah. In Trauer dürfen wir hoffen – auf Licht, auf Heimkehr, auf ewiges Leben.
